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Okt 23

Erstellt von: Ute Sparenberg
23.10.2011 22:53 

Photos zu diesem Projekt finden Sie in der Rubrik Medien - Fotos

 

 

Kalkutta, die Stadt, "die am Ganges liegt", hat ca. 20 Millionen Einwohner, eine alte kulturelle Geschichte und viele Slums. Seit mehr als 25 Jahren sind dort die "german doctors" (Ärzte für die Dritte Welt) ehrenamtlich tätig, um die Armen medizinisch zu versorgen, die um den sich allmählich in Indien ausbreitenden Fortschritt und Wohlstand geprellt werden. Seit 10 Jahren bin ich auch regelmässig ein mal pro Jahr für 6 Wochen dabei. Täglich fahren wir in drei Zweier-Teams mit indischen Helfern (Krankenschwestern, Dolmetschern, Sozialarbeitern) und einer Apotheke direkt in die Slums und bieten dort kostenlose medizinische Hilfe an. Die Arbeit beinhaltet Untersuchungen, Behandlung von eigentlich "banalen" Erkrankungen wie Atemwegsinfekten (wohl auch begünstigt durch die Luftverschmutzung), Impfungen (täglich werden von unseren 3 Teams ca. 250 Kinder nach WHO-Standard immunisiert) aber auch Versorgung von Verletzungen und sehr oft auch schweren Verbrennungen. In schwerwiegenden Fällen organisieren wir auch den Transport in ein Krankenhaus und übernehmen die Kosten für die Krankenhausbehandlung. In Indien gibt es keine Krankenversicherung in unserem Sinne, deshalb muss der Patient alles direkt und selbst bezahlen. Bei meinen regelmässigen Einsätzen in Kalkutta habe ich durch "Hausbesuche" der Patienten in den Slums einen recht guten Einblick in die Lebensumstände und die sozialen Strukturen gewonnen. Vor nun fast 3 Jahren habe ich einen grösseren Geldbetrag als Spende für meine Arbeit bekommen. Ich suchte nach einer Möglichkeit, dieses Geld vielen Menschen zur Verfügung stellen zu können. Dabei war es mir wichtig, das Geld nicht einfach "auszuteilen" (obwohl es sicher jeder unserer Patienten hätte gut gebrauchen können), sondern damit etwas Nachhaltiges zu schaffen. So war die Idee geboren, in die Schulbildung der Kinder zu investieren, denn das erschien mir zukunftsträchtiger als eine kurzfristige "Finanzspritze". Ich hatte Unterstützung durch zwei indische Sozialarbeiterinnen, die in unserem medizinischen Projekt mitarbeiten, und die sich sehr gut in den Slums auskennen und bei ihren regelmässigen "homevisits" interessierte Familien erfassten. Nach dieser sehr wertvollen Vorarbeit durch Salma und Nissa konnten wir starten. Wir besuchten an meinen arbeitsfreien Samstagen systematisch die Slums Kalkuttas und die entsprechenden Familien in ihren Hütten. Von jeder Familie erhob ich einen Sozialstatus, um über die Bedürftigkeit zu entscheiden. Aber natürlich ergab sich, dass jede besuchte Familie bedürftig war. Im ersten Jahr unterstützte ich genau 365 Kinder für ein Schuljahr. Dabei fallen pro Kind und Schuljahr 15 Euro für Schulgeld und 15 Euro für notwendige Utensilien (Schulbücher, Schuluniform, Hefte, Stifte etc.) an. Ich hatte damit gerechnet, dass im darauffolgenden Jahr vielleicht nur noch die Hälfte dabei sein würde (was auch ein Erfolg gewesen wäre!), schliesslich ist das Leben der Armen in Kalkutta hart und Erkrankung oder gar Tod eines Elternteiles kann dazu führen, dass die Kinder mit für den Lebensunterhalt sorgen müssen. Aber zu meiner Überraschung waren bis auf ein Mädchen, das durch eine schwere Erkrankung langen Schulausfall hatte, alle Kinder nach einem Jahr noch dabei und präsentierten mir stolz ihre Zeugnisse (ich war wieder mit den beiden Helferinnen bei jeder einzelnen unserer Familien, und es war oft ein herzliches Wiedersehen). Nun war und bin ich "im Zugzwang", das notwendige Geld für ein weiteres Schuljahr auftreiben zu wollen... Das Schulgeld wird über die beiden tüchtigen Sozialarbeiterinnen an die verschiedenen Schulen der entprechenden Stadtgebiete ausgegeben, die restlichen 15 Euro erhalten die Familien. Ich lege grossen Wert darauf, dass nicht ich das Geld verteile, sondern Salma und Nissa. Sie sind es auch, die im Laufe des Jahres immer wieder bei den Familien "nach dem Rechten" sehen. Ich hoffe, dass ich, wenn ich im Januar wieder in meinem nächsten Kalkutta-Einsatz sein werde, wieder viele Kinder finanziell bei ihr
er Schulausbildung unterstützen kann (dieser Monat ist traditionell der Monat der "Schuleinschreibung" für das nächste Schuljahr), denn nur mit Bildung werden sie eine Zukunft haben.

Dr. E. Seltmann

 

 

 

 

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